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Das „reiche Deutschland“ gehört eher ins europäische Armenhaus

Wo stehen wir 10 Jahre nach der Krise?

Die Vermögen der Superreichen wachsen schneller, während sich Armut verfestigt. Damit wird die Verteilung der Vermögen in der Welt immer ungleicher. Dabei ist Reichtum ist etwas Relatives. Wer 100 Euro hat ist unter denen, die nichts haben, reich. Die Definition von Armut macht sich dies zu nutze: Als arm gilt, wer 60% oder weniger des Netto-Äquivalenzeinkommens in einer Gesellschaft zur Verfügung hat. In einer Gesellschaft der Millionäre ist somit arm, wem nur 600.000 Euro zur Verfügung stehen.

 

Ein deutscher Haushalt verfügt (Stand 11/2017) nach Abzug der Schulden im Durchschnitt über 195.000 Euro – Möbel und anderer Hausrat ist darin noch nicht enthalten.

Dieser Durchschnittswert sagt aber wenig über die tatsächlichen Verhältnisse aus. Wer einen Fluss durchqueren möchte, vertraut bei 1,20 Metern Durchschnittstiefe auch nicht dartauf nicht unterzugehen. Aus diesem Grund betrachten Statistiker neben dem Durchschnitt zusätzlich den Median.

 

Reiht man alle Haushalte nach ihren Vermögenswerten auf, ist damit genau der mittlere Haushalt gemeint: Die eine Hälfte der Haushalte ist ärmer, die andere reicher. Der Vermögensmedian beträgt in Deutschland rund 51.000 Euro und damit rund ein Viertel des Durchschnitts. Der große Unterschied zeigt, dass die Vermögen in Deutschland recht ungleich verteilt sind. Wenige Besitzer großer Vermögen ziehen den Schnitt nach oben, ohne dass sich in der Mitte etwas tut. Die Vermögen sind somit stärker konzentriert als die Bruttoeinkommen, die sich unter anderem aus Löhnen, Renten und Mieteinnahmen zusammensetzen. Während sich das vermögendste Zehntel der Bevölkerung mehr als die Hälfte des Vermögens teilt, bezieht das einkommensstärkste Zehntel etwa ein Drittel der Einkommen.

 

Im Osten Deutschlands kommt gleich mehreres zusammen: Die Menschen haben häufig niedrigere Bildungsabschlüsse als im Westen, die Arbeitslosigkeit ist höher, und zu allem Überfluss gab es dort nach 40 Jahren Sozialismus kaum etwas zu erben. Unterm Strich verfügt der durchschnittliche ostdeutsche Haushalt deshalb nur über 21.500 Euro im Vergleich zu fast 106.000 Euro im Süden der Republik.

 

 

 

Reichtum wird definiert als finanzielles Vermögen plus Sach- und Grundbesitz abzüglich der Schulden. Berechnet man für alle europäischen Gesellschaften den Median aus dieser Rechnung, also den Punkt, der die Gesellschaft in zwei gleiche Teile unter und oberhalb des Median teilt, dann ergibt sich das folgendes Bild:

 

 

 

Jakub Marian, Spezialist im Erstellen von Karten und Diagrammen, hat sich die Zahlen von Credit Suisse zur Hand genommen, die im November 2017 im Reichtumsbericht der Bank veröffentlicht wurden. Deutschland findet sich, demnach, weit abgeschlagen im unteren Mittelfeld des Reichtums an der Seite von Schweden und Portugal wieder.

Die im europäischen Vergleich zweithöchsten Steuern und hohen Sozialausgaben sorgen dafür, dass die deutsche Gesellschaft relativ gesehen zum europäischen Armenhaus gehört.

 

Viel Abstand zu den östlichen Nachbarn besteht nicht mehr, und dass selbst Spanier, Griechen und vor allem die Italiener auf mehr Reichtum in ihrer Gesellschaft zurückgreifen können als Deutsche liegt hauptsächlich am Anteil von realen Sachwerten.